YouTuber reden im „Style and Talk“, „Kaffeeklatsch“ oder „Sesselgeflüster“ darüber. Instagrammer schreiben Posts, machen Stories und teilen ihre #pillenfrei-Erfahrungen. Fruchtbare Tage berechnen funktioniert nicht nur als Familienplanung, sondern auch als Verhütungsmethode. Es ist Trend. Und wir finden: Gott sei Dank ist es das! Back to the roots – ohne den ganzen Hormon-Schnickschnack. Aber ist es wirklich so simpel, wie es klingt?

Was passiert, wenn das Ei springt

Während der Ovulationsphase des Menstruationszyklus wird eine unbefruchtete Eizelle periodisch aus einem sprungreifen Follikel des Eierstocks ausgestoßen. Hö?

Eigentlich ganz einfach: Der Eisprung bezeichnet den Moment, in dem eine unserer Eizellen vom Eierstock in den Eileiter wandert und dort auf Spermien wartet, um befruchtet zu werden.

Das Ganze passiert einmal im Monat – in der Mitte unseres Zyklus. Bei einem regelmäßigen (!) Zyklus von 28 Tagen findet der Eisprung ziemlich sicher 14 Tage vor der Periode statt. Der Zeitpunkt des Eisprungs hängt also von der Länge des Menstruationszyklus ab. So einen regelmäßigen Bilderbuchzyklus von 28 Tagen hat allerdings kaum eine Frau. Und von den Frauen, die einen solchen regelmäßigen Zyklus haben, nehmen 90% die Pille – die fruchtbaren Tage zu bestimmen, macht da wenig Sinn …

Fruchtbare Tage berechnen – geht auch mit ‘ner 4 in Mathe

Also: Ein Menstruationszyklus variiert zwischen 23 und 35 Tagen. Den Zeitpunkt deines Eisprungs kannst du dir nun selbst ausrechnen oder ausrechnen lassen – das Netz bietet da hunderte von Fruchtbarkeitsrechnen, die dir die Arbeit größtenteils abnehmen.

Damit aber nicht genug: Fruchtbar bist du nämlich nicht nur an diesem einen Tag, an dem sich eine deiner 1-2 Millionen Eizellen dazu entschließt, das Nest zu verlassen, sondern auch an den Tagen um diesen Zeitpunkt herum. Und woran liegt das? Tja, die kleine Eizelle ist zwar nur 24 Stunden befruchtungsfähig, dagegen können die sneaky Samenzellen allerdings mehrere Tage in unseren Körpern überleben. Sind sie also zum Zeitpunkt deiner Ovulation bereits in dir, kann ein Spermium das Ei befruchten.

Als Faustregel gilt daher: Deine fruchtbarste Phase hast du zu vier bis fünf Tage vor und zwei Tage nach deinem Eisprung.

Ein Beispiel: Mein Zyklus dauert meistens 30 Tage, also habe ich meistens am 15. Tag meinen Eisprung und um diesen Tag herum kann ich wohlmöglich meistens schwanger werden.

Du denkst dir jetzt bestimmt: „Gut zu wissen, aber meistens klingt nicht sonderlich sicher.“ Deshalb noch ein Tipp:

Fruchtbare Tage bestimmen – das ist Wissenschaft

Ja, Wissenschaft, aber nicht unmöglich. Unser Körper sendet uns zwei Signale, wenn wir unseren Eisprung haben:

Signal Nr. 1: Deine Körpertemperatur steigt nach deinem Eisprung an. Um ein ganzes halbes Grad. Yeah! Das ist natürlich nicht sonderlich viel und merken tust du davon auch nichts, aber mit einem guten Thermometer und etwas Übung kannst du einen Rhythmus feststellen. Deine Basaltemperatur steigt jeden Zyklus direkt nach dem Eisprung leicht an. Somit markiert deine niedrigste Temperatur den Zeitpunkt deines Eisprungs.

Signal Nr. 2: Dein Zervixschleim verändert sich. Während der unfruchtbaren Tage wird deine Zervix (aka dein Gebärmutterhals) von einem relativ robusten Schleimpropf verschlossen und hält so neben Bakterien auch die Spermien fern. Je näher der Eisprung rückt, desto dünnflüssiger und durchsichtiger wird er und tritt als Ausfluss aus. Seine Konsistenz und Farbe verrät ziemlich viel darüber, in welcher Phase des Zyklus wir uns gerade befinden.

Fruchtbare Tage spüren – Wake me up before you go go!

Und damit meine ich jetzt nicht so was wie mehr Lust auf Sex oder Eisprungträume. Es gibt tatsächlich Frauen, die ihre Ovulation physisch spüren können. Eine von fünf Frauen fühlt den sogenannten Mittelschmerz, ein auftretendes krampfartiges Ziehen im Unterleib, der von ein paar Minuten bis zu mehreren Stunden lang dauern kann. Je mehr du dich mit deinem Zyklus auseinandersetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch du zum Zeitpunkt deines Eisprungs den Mittelschmerz wahrnimmst.

Das Wort zum Sonntag

Ist das ganze jetzt simpel? Na ja. Du solltest viel Disziplin mitbringen und dir Zeit lassen, deinen Körper und seine Signale kennenzulernen, bevor du dich verhütungstechnisch gesehen, darauf verlässt. Finde einfach selbst heraus, ob du der Typ dafür bist und informiere dich ausreichend. Safety first!