Rotes schmelzendes Eis

„Sorry, hast du vielleicht einen Tampon für mich?“ ist ein Satz, der eher mit vorgehaltener Hand geflüstert, als laut ausgesprochen wird. Und das meist noch mit geröteten Wangen.

Die Periode – das ewige Tabu-Thema in der Öffentlichkeit. Auch noch 2019. Und auch wenn Social Media etwas anderes vermuten lässt. Die meisten Frauen reden einfach nicht gerne darüber, wenn sie ihre Tage haben.

Aber warum ist das so?

Wie vieles ist auch unser verkrampftes Verhältnis zur Periode geschichtlich bedingt.

Für die Verführung Adams und den Biss in den Apfel bekam Eva gemäß der biblischen Urgeschichte mit der Periode und den damit verbundenen Schmerzen die gerechte Strafe.

Im Alten Testament heißt es: „Wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluss hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend.“ Damit galten Frauen lange Zeit als verdorben und die Periode war der beste Beweis dafür.

Und selbst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hieß es noch, Blumen würden verwelken und Hefeteige nicht aufgehen, sollte man sie in die Hände von menstruierenden Frauen geben…

Puhhhhh…

Ist das immer noch so?

Also gut, als verdorben gelten wir Frauen heutzutage natürlich nicht mehr. Und die Forschung im 20. Jahrhundert hat einiges dafür getan, endlich zu beweisen, dass beispielsweise die Periode keine Behinderung (seit den 1930er Jahren) und Menstruationsblut nicht giftig ist (seit 1958).

Soweit, so gut. Die Periode gehört also zum Leben einer fruchtbaren Frau dazu, wie die Luft zum Atmen. Trotzdem reden 77% der Frauen nicht gerne darüber, vor allem nicht mit Männern.

Aber warum schämen sich bloß so viele dafür?

Mangelnde Aufklärung

Die Antwort lässt sich in der Schulzeit finden. Spezifische Informationen in Bezug auf den weiblichen Zyklus spielen in den Lehrplänen keine Rolle. Lehrerinnen und Lehrer müssen die Periode also nicht unterrichten, wenn sie es nicht wollen. Sexualkunde dient lediglich als Ergänzung der Aufklärung der Eltern.

Und natürlich sollten sich Eltern dieser Verantwortung unbedingt stellen. Dass die Biologie aber vielleicht zu komplex für den Küchentisch ist, wird dabei nicht unbedingt bedacht.

Eine Umfrage der Aufklärungsplattform Erdbeerwoche zeigt, dass die Periode bei Jugendlichen kaum ein Thema ist: 60% der Mädels finden ihre Periode einfach „peinlich“. Und die Jungs haben meistens gar keine Ahnung: Jeder dritte Junge weiß nicht, was Menstruation eigentlich bedeutet und jeder zweite Junge ist der Meinung, die Periode diene der Verhütung. 

Let’s Talk Period.

Klar, Erwachsenwerden ist schwierig und unangenehm. Aber: Darüber reden hilft! Und das gilt nicht nur für Teenager. Schäme dich nicht dafür, dass dir deine Periode vielleicht mal zu schaffen macht. Die Antwort auf das Tabu ist eine ganz einfache Gleichung: Je mehr wir darüber reden, desto weniger erröten wir, desto weniger fühlen wir uns genötigt zu flüstern und desto weniger ist es uns peinlich. Das kommt vor allem der jüngeren Generationen zu Gute.